zurück
Zeitschrift medizinischegenetik:
Genetik kinder- und
jugendpsychiatrischer
Entwicklungsstörungen
Themenschwerpunkt
medizinischegenetik 2-2006
Bestellschein (pdf-file 13KB)
Noch immer wird genetische Forschung zu psychischen Erkrankungen
mancherorts nur einseitig ablehnend kritisch beäugt. Tatsächlich sind
die genetischen Forschungsperspektiven faszinierend, so dass genetische Forschung
über alle Kriterien von Menschenwürde hinweg Selbstzweck werden könnte.
Auch werden immer wieder Zweifel laut, ob eine genetische Forschung bei so genannten
„komplexen genetischen Störungen“ gegenwärtig überhaupt
zielführend betrieben werden könnte.
Die Wissenschaft der Genetik hat innerhalb des letzten Jahrzehntes
zu einem geradezu revolutionären Erkenntnisgewinn im Verständnis psychischer
Störungen und Entwicklungsstörungen des Kindes- und Jugendalters geführt.
Dem Facharztgebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sind
mit der Molekulargenetik Forschungsmittel in die Hand gegeben, die bereits nach
wenigen Jahren zu neuen pathogenetischen Erkenntnissen, diagnostischen Möglichkeiten
und auch therapeutischen Zukunftsperspektiven beigetragen haben. Genetische
Studien bei Erkrankungen des Kindesalters sind gegenüber Erwachsenen-Studien
im Vorteil dadurch, dass in viel höherem Maße als bei Erwachsenen
neben der Patientenpopulation auch die Geschwister, Eltern und Großelterngenerationen
in die Stichproben einbezogen werden können. Der große Erkenntnisfortschritt
zur Genetik psychiatrischer Erkrankungen wird sofort augenfällig, wenn
man die Beiträge zum Schwerpunktthema „genetisch komplexer neuropsychiatrischer
Erkrankungen“ der „medizinischegenetik“ (Heft 3, 10. Jahrgang,
1998) mit den klinisch analogen Beiträgen dieses Heftes vergleicht. Die
Zahl der genetischen Studien, insbesondere auch der hypothesengeleiteten Replikationsstudien
hat sich vervielfacht; institutionsübergreifende nationale und zunehmend
auch internationale Kooperationen haben große und gut charakterisierte
Patienten- und Familienkollektiven ermöglicht; das Konzept der „Endophänotypen“
hat zu mehrebenenorientierten Forschungsansätzen geführt, so dass
zu psychopathologischen Merkmalen auch genetische Korrelate zu neuropsychologischen,
neurophysiologischen (insbesondere elektrophysiologischen), neurometabolischen
und hirnstrukturellen Parametern ins Auge gefasst werden. Dabei sind die Techniken
zerebraler Bildgebung wegweisend. Genetische Epidemiologie und biometrische
Genetik haben ihre methodischen Zugänge qualifiziert erweitert. Der Begriff
der „genetischen Entwicklungsepidemiologie“ verweist auf den möglichen
Erkenntnisgewinn, wenn man bei genetischer Betrachtungsweise auch den alterskorrelierten
Beginn psychischer Störungen, Krankheitsverläufe und Komorbiditäten
psychischer Störungen mit ins Blickfeld nimmt. Bereits jetzt finden sich
z.B. hinreichend Belege dafür, dass eine Zwangserkrankung oder auch die
Schizophrenie mit Beginn im Kindesalter sich von den Störungsbildern mit
Beginn im Erwachsenenalter genetisch in anderer Weise darstellen.
A. Warnke T. Grimm
Inhalt
Genetik psychischer
Erkrankungen und Entwicklungsstörungen mit Beginn im Kindes- und Jugendalter
Andreas Warnke, Tiemo Grimm
Schicksal Legasthenie
Tiemo Grimm
Genetik der
Lese- Rechtschreibstörung
Johannes Schumacher, Gerd Schulte-Körne, Markus M. Nöthen
Genetik der Aufmerksamkeitsdefizit-
und Hyperaktivitätsstörung im Kindes- und Jugendalter
Tobias Renner, Susanne Walitza
Die Genetik
der Depression
Regina Hünnerkopf, Klaus-Peter Lesch
Genetik bei Zwangsstörungen
im Kindes- und Jugendalter
Susanne Walitza, Tobias Renner
Genetik des
Autismus
Martin Holtmann, Sven Bölte, Fritz Poustka
Das Rett-Syndrom
Franco A. Laccone
Fragiles-X-Syndrom:
Störung synaptischer Plastizität mit Hoffnung auf Heilung
Doris Steinbach, Peter Steinbach
X-chromosomale
mentale Retardierung
Andreas Tzschach, Hans-Hilger Ropers
Förderung und
pädagogisch-psychologische Therapiekonzepte bei Rett-Syndrom und Fra(X)-Syndrom
Klaus Sarimski